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Die Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft stärken

Prof. Reinhard Hüttl (Foto: GFZ)

Prof. Reinhard Hüttl wird neuer Vizepräsident der GDNÄ

Die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) bekommt einen neuen Vizepräsidenten: Der Forst- und Bodenwissenschaftler Prof. Dr. Reinhard Hüttl wird am 1. Januar 2019 dieses Ehrenamt übernehmen. Hüttl ist Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) in der Helmholtz-Gemeinschaft. Als neuer Vizepräsident ist Hüttl zudem designierter Präsident der GDNÄ. In den Jahren 2021 und 2022 wird er dieses Amt innehaben. Mit der GDNÄ will Hüttl dazu beitragen, die Wahrnehmung der Wissenschaft in der öffentlichen Debatte zu stärken. „Wir freuen uns außerordentlich, dass wir so einen herausragenden und international renommierten Wissenschaftler wie Reinhardt Hüttl für die Mitarbeit im Präsidium der GDNÄ gewinnen konnten“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, derzeitiger Präsident der GDNÄ.

„Die Wissenschaft ist von essentieller Bedeutung für moderne Gesellschaften wie der unseren“, sagt Hüttl: „Ihre Stimme ist in der aktuellen Debatte aber schwächer geworden.“ Die GDNÄ als älteste interdisziplinäre wissenschaftliche Gesellschaft Deutschlands – sie ist 1822 gegründet worden – biete die Möglichkeit, der Wissenschaft wieder mehr Gehör zu verschaffen. Hüttl: „Als Präsidiumsmitglied der GDNÄ will ich diese Möglichkeiten nutzen und mich intensiv für einen konstruktiven Austausch zwischen Forschern, Ärzten und Laien einsetzen.“

Die GDNÄ kann auf große Erfahrungen zurückgreifen, wenn es darum geht, das freie und öffentliche Gespräch zu wissenschaftlichen Themen zu ermöglichen: So hat sie den systematischen Austausch zwischen Naturforschern und Ärzten in Deutschland wesentlich mitgeprägt. Vor dem Jahr 1822 haben Wissenschaftler meist allein gearbeitet, standen untereinander im Briefwechsel oder tauschten sich nach vorgegebenen Regeln in den Akademien aus. Das was die GDNÄ geleistet hat – den Austausch über wissenschaftliche Positionen im öffentlichen Gespräch an stets wechselnden Orten zu initiieren –, war die Basis für wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse der vergangenen 200 Jahre.

Mit Sorge beobachtet Reinhard Hüttl, dass wissenschaftliche Richtungen und Erkenntnisse in der Öffentlichkeit in immer geringerem Ausmaß dargestellt und diskutiert werden: „Wir müssen dafür sorgen, dass der Austausch über Wissenschaft nicht nur in Fachkreisen geführt wird. Die GDNÄ sieht sich seit jeher als eine Fachgesellschaft, die auch mit interessierten Laien im Gespräch ist. Ich sehe das als Chance, den Diskurs in eine größere Öffentlichkeit zu tragen.“

Ein Baustein dafür seien die alle zwei Jahre stattfindenden Versammlungen der GDNÄ – zuletzt im September 2018 in Saarbrücken. „Wir müssen dafür sorgen, dass noch mehr Menschen an diesen öffentlichen Versammlungen teilnehmen und die Möglichkeit zur Diskussion wahrnehmen“, sagt Hüttl: „In meine Amtszeit fällt im Jahr 2022 die Versammlung zum 200-jährigen Bestehen der GDNÄ. Das ist für mich ein enormer Ansporn. Hier wollen wir mit einem wissenschaftlichen Feuerwerk auftreten, um alle Blicke auf uns zu lenken.“

Aber auch in den Zeiten zwischen den Versammlungen sei es wichtig, dass die GDNÄ sichtbar bleibe, stellt Hüttl fest: „Den Ansatz des scheidenden Präsidenten Wolfgang Wahlster, in die Fläche zu gehen und auch abseits der Metropolen mit den Menschen über Wissenschaft ins Gespräch zu kommen, finde ich ausgezeichnet. Ich bin Professor Wahlster sehr dankbar, dass er dieses Konzept entwickelt hat. Gemeinsam mit Martin Lohse, dem Wissenschaftlichen Vorstand des Max Delbrück Centrums – er übernimmt Anfang Januar die Präsidentschaft der GDNÄ –, werde ich mich dafür einsetzen, dass wir diesen Weg systematisch weiter verfolgen. Nur so können wir mit möglichst vielen Menschen einen wissenschaftsbasierten Diskurs führen.“

Die Mitglieder der GDNÄ haben bei Ihrer Versammlung in Saarbrücken auch neue Vertreter in den Vorstandsrat der GDNÄ für die Jahre 2019 bis 2022 gewählt:

Wiedergewählt für die Fächergruppe Geowissenschaften und Physik wurde Prof. Dr. Thomas Elsässer, Direktor am Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie und Professor für Experimentalphysik an der Humboldt-Universität Berlin.

Neu gewählt für die Fächergruppe Informatik und Mathematik wurde Prof. Dr. Johannes A. Buchmann, Professor für Informatik an der Technischen Universität Darmstadt und dort Sprecher des Sonderforschungsbereichs CROSSING und des Profilbereichs CYSEC.

Ebenfalls neu gewählt für die Fächergruppe Ingenieur und Technikwissenschaften wurde Prof. Dr. Stuart S.P. Parkin, Alexander von Humboldt-Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Direktor am Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle.

Über Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Hüttl

Prof. Dr. Reinhard Hüttl ist seit 2007 Wissenschaftlicher Vorstand und Vorsitzender des Vorstands des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ und Inhaber des Lehrstuhls für Bodenschutz und Rekultivierung an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Reinhard Hüttl hat die acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften mitbegründet und war bis 2017 ihr Präsident, jetzt ist er ihr Vizepräsident. Er ist außerdem Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft für den Forschungsbereich Erde und Umwelt. Im Verlauf seiner Karriere bekleidete Hüttl zahlreiche Ämter, so war er Mitglied im Wissenschaftsrat und Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen der Bundesregierung (SRU). Er ist auch Mitglied zahlreicher Akademien im In- und Ausland, beispielsweise in der Deutschen Nationalakademie Leopoldina, der Königlich Schwedischen Akademie für Land- und Forstwirtschaft oder der Academia Europaea. Reinhard Hüttl hat in Freiburg und an der Oregon State University in den USA Forstwissenschaften und Bodenkunde studiert.