Start Politik Senatorin Breitenbach: Solo-Selbstständige arbeiten oft prekär und schlecht bezahlt

Senatorin Breitenbach: Solo-Selbstständige arbeiten oft prekär und schlecht bezahlt

Elke Breitenbach (Die Linke), Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales in Berlin. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0

Die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales teilt mit:

Die Solo-Selbstständigkeit ist in Berlin besonders verbreitet. In Berlin waren 2017 191.200 Menschen solo-selbstständig beschäftigt. Das sind 11 Prozent aller Berliner Erwerbstätigen. Berlin hatte damit den bundesweit höchsten Anteil.
Heute stellte die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Elke Breitenbach die Expertise „Selbständig: solo und prekär?“ vor. Die Untersuchung des Teams von Joboption Berlin der Beratungsgesellschaft ArbeitGestalten stellt die Entwicklung und Situation von Solo-Selbstständigkeit in Berlin im Kontext prekärer Erwerbssituationen dar. Schwerpunkt ist der gewerbliche Teil der Solo-Selbstständigkeit, der geprägt ist von einfachen Dienstleistungen.

Arbeitssenatorin Elke Breitenbach: „Die Daten lassen aufhorchen. Solo-Selbstständigkeit kann eine prekäre Erwerbsform sein und ist in Berlin besonders häufig vertreten. Zwei Drittel der gut 260.000 Selbstständigen in Berlin sind solo-selbstständig. Sie haben oft nur ein niedriges Einkommen, aus dem dann weder der Lebensunterhalt noch die Sozialbeiträge gedeckt werden können. Daher müssen die Betroffenen Hilfe zum Lebensunterhalt beantragen. Hinzu kommt, dass Sicherheiten eines sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses Solo-Selbstständigen verloren gehen. Schließlich erlaubt dieses prekäre Arbeiten keine Altersvorsorge.“

Solo-Selbstständige finden sich in fast allen Berufsgruppen. Besonders stark vertreten sind sie in der Kunst- und Kreativszene Berlins. Aber auch in verschiedenen Dienstleistungsbranchen, in denen traditionell abhängig Beschäftigte arbeiten, etwa im Einzelhandel, im Reinigungsgewerbe, bei Kurierdiensten, in der Gastronomie und auf Berliner Baustellen. In der gewerblichen Solo-Selbstständigkeit sind Branchen, die in der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einen sehr hohen Frauenanteil haben, eher von Männern dominiert, wie zum Beispiel der Einzelhandel, die Gebäudereinigung und auch Erziehung und Unterricht.

Viele Solo-Selbstständige verrichten digital vermittelte Dienstleistungen über Online-Plattformen, wie z. B. Betreuung, Pflege oder auch Reinigung und handwerkliche Dienstleistungen. Berlin gilt allgemein als Testmarkt für diese neuen digitalen Arbeitsformen. Viele der Plattformen arbeiten nur mit Solo-Selbstständigen und umgehen damit Sozialbeiträge.

Von denjenigen, die unterstützende Hilfen zum Lebensunterhalt nach SGB II über die Jobcenter erhalten, geben ca. 30 Prozent an, einer selbstständigen Beschäftigung nachzugehen. Das sind in Berlin 12.621 Leistungsberechtigte. Jedoch ist die Zahl jener, die mit ihrem Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit kaum ihren Lebensunterhalt oder gar ihre Sozialversicherungsbeiträge decken können, vermutlich noch höher, denn nicht alle beantragen Hilfe zum Lebensunterhalt.