Start Kultur Gemäldegalerie erhält bedeutende Leihgaben der Sammlung Kuckei

Gemäldegalerie erhält bedeutende Leihgaben der Sammlung Kuckei

By Photo: Andreas Praefcke [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], from Wikimedia Commons

Die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin erhält als Dauerleihgabe zehn bedeutende Werke der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts – darunter wichtige Arbeiten aus der Rembrandt-Werkstatt, von Jan Steen und Adriaen van Ostade. Sie stammen aus der Sammlung Kuckei und werden anlässlich des 100. Geburtstages von Heinz Kuckei ab dem 26. Juni 2018 als Ensemble in der Wandelhalle der Gemäldegalerie zu sehen sein.

„Wir danken der Stiftung Heinz Kuckei Collections für ihre großzügige Geste, die die Bestände der Gemäldegalerie wunderbar ergänzt“, so Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin und Direktor der Gemäldegalerie und Skulpturensammlung. „Die Leihgaben schließen hervorragend an unsere Sammlung niederländischer Malerei an und bereichern die Präsentation maßgeblich.“

Der Berliner Sammler Heinz Kuckei (1918-2010) begann in den 1970er-Jahren, Gemälde niederländischer Meister zu erwerben. Dabei baute er auf einen Sammlungsbestand auf, den bereits sein Schwiegervater Walter Heilgendorff (1882-1945) ab den 1920er-Jahren zusammengetragen hatte. Heilgendorff wurde dabei von Wilhelm von Bode und Max J. Friedländer beraten, auf die auch die Vorliebe für niederländische Malerei zurückzuführen ist. Zunächst verwahrte Heilgendorff die Sammlung in seiner großzügigen Wohnung im Bayerischen Viertel in Berlin-Schöneberg. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war er jedoch gezwungen, die Mehrzahl seiner Bilder in einer Stahlkammer der Dresdner Bank unterzubringen. So gelang es ihm, die Gemälde über den Krieg zu retten, denn bei Bombenangriffen 1943 brannte seine Wohnung vollständig aus. Walter Heilgendorff verstarb bereits kurz nach Kriegsende im November 1945.

Ab den 1970er-Jahren führte Heinz Kuckei die Tradition seines Schwiegervaters fort und baute die Gemäldesammlung mit weiteren qualitätsvollen Erwerbungen aus. Eine Gruppe ausgewählter Werke dieser Sammlung wird nun von der Stiftung Heinz Kuckei Collections für mindestens zehn Jahre als Dauerleihgabe der Gemäldegalerie übertragen. Damit setzt sich die enge Beziehung fort, die die Sammlung Kuckei seit ihren Anfängen mit den Staatlichen Museen zu Berlin verbindet. Die Leihgabe gibt zudem Anlass, an die bewegte Geschichte dieser Privatsammlung zu erinnern, die auch ein Stück Berliner Geschichte spiegelt.

Als herausragendes Werk des Ensembles kann das Bild der „Esther“ aus der Rembrandt-Werkstatt gelten. Es schließt formal und stilistisch direkt an die beiden Frühwerke Rembrandts im Besitz der Gemäldegalerie, „Minerva“ und „Proserpina“, an.

Von dem überaus produktiven und erfolgreichen Haarlemer Maler Adriaen van Ostade besitzt die Gemäldegalerie bislang nur wenige Werke – mit der Darstellung des „Dorffestes“ aus der Sammlung Kuckei gelangt nun erstmals eine Außendarstellung dieses Malers in die Gemäldegalerie. Eine Sammlungslücke schließen auch die zwei kleinen, exquisiten Täfelchen mit Tierdarstellungen des Malers Jan van Kessel sowie eine Landschaft mit Nymphen von Cornelis van Poelenburch – beide Künstler waren bislang nicht in der Gemäldegalerie vertreten. Ein ausgesprochen qualitätsvolles Werk des Architekturmalers Jan van der Heyden wird zudem den Bestand der bislang kaum vertretenen Stadtansichten erweitern.

Von dem Amsterdamer Maler Esaias Boursse haben sich nur wenige Arbeiten erhalten. Die ihm zugeschriebene Darstellung einer schlafenden Küchenmagd aus der Sammlung Kuckei knüpft hinsichtlich ihrer Provenienz direkt an eines der Hauptwerke der Gemäldegalerie an, die „Junge Dame mit Perlenhalsband“ von Jan Vermeer: Beide Gemälde befanden sich als Werke Vermeers in der Sammlung von Thoré-Bürger. Die Zuschreibung des Kuckei-Bildes wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts revidiert. Abgerundet wird das Ensemble von einer unterhaltsamen Szene des Leidener Malers Jan Steen. Sein Bild „Der liederliche Haushalt“ ist in einer zweiten, fast identischen Fassung im Metropolitan Museum New York City erhalten.

Nach dem Parcours zu Barthold Suermondt rückt damit erneut eine private Kunstsammlung hinsichtlich ihrer Geschichte und ihres Beitrags zur enzyklopädischen Sammlung der Gemäldegalerie in den Fokus. Nach der Erstpräsentation in der Wandelhalle werden die Arbeiten ab Anfang 2019 in die Dauerausstellung der Gemäldegalerie integriert.